Molkenprotein

Die „Molke“ oder Molkenprotein (engl.: whey) ist im (Kraft-)Sport und zur vernünftigen Gewichtsreduktion in aller Munde. Früher nur als Abfallstoff der Käseherstellung bekannt, gilt es heut heute als hochwertige und fettarme Proteinquelle. Doch was ist das Molkenprotein eigentlich? Und wie kann es unsere tägliche Ernährung positiv beeinflussen?

Was ist Molkenprotein und wo kommt es her?

Molkenprotein ist ein Hauptbestandteil der Milch. Daneben enthält Milch als zweite große Proteinfraktion Casein. Bei der Herstellung von Käse bzw. Quark werden Casein und die Milchfette aus der Milch gewonnen. Übrig bleibt die flüssige Molke und darin enthalten das Molkenprotein. Jetzt muss das Protein nur noch gereinigt werden. Das passiert durch Ultrafiltration, dabei werden an einem Membranfilter größere Bestandteile (Makromoleküle) der Molke zurückgehalten und anschließend zu Pulver weiterverarbeitet.

Woraus besteht Molkenprotein?

Tabelle 1: Bestandteile des Molkenproteins und dessen Eigenschaften

Molkenprotein Bestandteil Anteil in % Eigenschaften
Beta-Lactoglobulin 50-55 Quelle für essentielle Aminosäuren (u.a. BCAA)
Alpha-Lactalbumin 20-25 Quelle für essentielle Aminosäuren (u.a. BCAA), ebenfalls Bestandteil der Muttermilch
Immunglobuline 10-15 Kann positive Eigenschaften für das Immunsystem haben
Lactoferrin 1-2 Antioxidativ, antibakteriell, antiviral
Lactoperoxidase 0,5 Antibakteriell
Serum Albumin (Kuh) 5-10 Quelle für essentielle Aminosäuren
Glyco-makro-Peptide 10-15 Quelle für BCAAs

Quelle: Modifiziert von Keri Marshall2

Molkenprotein besteht hauptsächlich aus Lactalbumin und Lactoglobulin. Beide Proteine sind leicht verdaulich und können im Magen-Darm-Trakt sehr gut aufgenommen werden. In einer Studie der McMaster Universität (Jason E. Tang, 2009) wurden bereits 30 Minuten nach dem Verzehr eines Molkenprotein-Shakes, Eiweißbestandteile der Molke im Blut gefunden1. Im Gegensatz zu dazu ist Casein ein „langsames“ Protein. Casein wird langsamer verdaut und seine Bestandteile auch langsamer ins Blut aufgenommen, dadurch werden über einen längeren Zeitraum kontinuierlich Aminosäuren ins Blut aufgenommen. Daher ist es am besten beide Milchproteine in einer Mahlzeit zu kombinieren. Molkenprotein bekämpft das akute Hungergefühl und Casein sorgt für eine langanhaltendere Sättigung.

Molkenprotein hat eine ausgezeichnete biologische Wertigkeit

Die biologische Wertigkeit beschreibt die Effizienz mit der, das durch die Nahrung aufgenommene Eiweiß, in körpereigenes Eiweiß umgewandelt wird. Je höher der Wert, desto leichter können daraus beispielsweise unsere Muskeln oder das Bindegewebe regeneriert und aufgebaut werden. Das Molkenprotein hat eine außerordentlich hohe biologische Wertigkeit (BW) von 104. Mit diesem Top-Score liegt es sogar noch vor dem eigentlichen Referenzprotein Hühnereiweiß, dass eine biologische Wertigkeit von 100 aufweist. Zum Vergleich Rindfleisch bietet „nur“ eine biologische Wertigkeit von 87.

Ein perfektes Aminosäureprofil 

In der Sportszene ist es auch deshalb so beliebt, weil es ein sehr hochwertiges Aminosäuren-Profil besitzt. Ein Blick auf dessen Aminosäurenzusammensetzung lohnt sich aber nicht nur für den Sport sondern auch für den normalen Alltagsbedarf. Zu aller erst sind hier die verzweigtkettigen Aminosäuren (branch chained amino acids; BCAAs) zu nennen.  Molkenprotein besitzt besonders viele davon. Bis zu 26 % aller enthaltenen Aminosäuren können in einem Molkenprotein aus BCAAs bestehen 2. Zusätzlich ist Molkenprotein eine der besten Quellen für die Aminosäuren Cystein und Tryptophan.

Cystein wird im Körper unter anderem für den Aufbau des Stress-Abwehr-Enzyms Glutathion benötigt. Dieses Enzym übernimmt eine tragende Rolle bei der Neutralisierung von freien Radikalen und hilft so unsere Zellen vor oxidativen Stress zu schützen.

Tryptophan hingegen ist die direkte Vorstufe des Glücks-/ und Antistresshormon Serotonin. Serotonin dämpft im Gehirn Empfindungen wie Angst, Aggression und Stress. Damit verstärkt es das Gefühl der Gelassenheit und Zufriedenheit und steigert zugleich die Aufmerksamkeit. Aus diesem Grund sind depressive Gefühlslagen häufig auf einen zu geringen Serotoninspiegel zurückzuführen.

Die im Molkenprotein enthaltenen Immunglobuline sowie das Lactoferrin können einen positiven Beitrag für unser Immunsystem leisten. Lactoferrin wird auch vom Menschen selber gebildet und findet sich u.a. in der Tränenflüssigkeit, in der Muttermilch oder an unseren Schleimhäuten. Somit dient es durch seine antioxidativen, antibakteriellen und antiviralen Eigenschaften als eines der ersten und wirkungsvollen Abwehrsysteme unseres angeborenen Immunsystems. Studien zeigen, dass eine Antibiotikabehandlung mit zusätzlicher Lactoferrin-Gabe effektiver verlaufen als ohne3. Tierexperimente weisen zusätzlich auf einen verstärkten Schutz der Magenschleimhaut vor geschwürartigen Verletzungen durch das in Molke enthaltene Lactoferrin4.

Fazit:

Molkenprotein kann als „functional food“ bezeichnet werden. Aufgrund seiner hochwertigen Proteinbausteine besitzt es eine sehr gute Verwertbarkeit für den menschlichen Körper. Dies ist besonders von Vorteil für den Aufbau und Erhalt menschlicher Eiweißstrukturen wie zum Beispiel der Muskulatur. Weitere Einzelbestandteile können das allgemeine Wohlbefinden verbessern und das Immunsystem steigern.

Quellen:

1 Jason E. Tang et al.

2 Keri Marshall, Altern Med Rev 2004; 9(2); 136-156

3 Ajello M et al., Biochem Cell Biol 2002;80:119-124.

4 Rosaneli CF et al., J Med Food 2002; 5:221-228.

Diese Fakten zu Molkenprotein kennst du bestimmt noch nicht

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